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Mittelfristige Ziele setzen

Karl-Albert Eßer im Interview mit der Super Sonntag

06.02.2009

„Kommunalpolitiker sollen keine Träumer sein, sondern Realisten mit Augenmaß und Perspektive“, erklärte CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Albert Eßer Anfang 2004. Und dennoch veröffentlichte er seine 50 Träume für Düren, verwirklicht im Jahre 2010. Über seine damalige Zeitreise und was aus diesen Träumen geworden ist - darüber sprach Super Sonntag jetzt fünf Jahre später mit dem Christdemokraten.

Was hat sie eigentlich 2004 bewogen, ihre 50 Träume für Düren 2010 zu veröffentlichen? Das Risiko als träumender Politiker war doch hoch und auch die Gefahr, dass sie ihre Träume nicht würden umsetzen können?

Eßer: Beides stimmt, aber mir war wichtig, ein mögliches Zukunftsbild von Düren zu entwerfen, für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch für mich persönlich. Ich habe damals bewusst den Begriff „Träume“ gewählt, weil vieles zwar 1:1 umgesetzt, anderes nur als Möglichkeit aufgezeigt werden sollte. Man muß sich gerade auch in der Kommunalpolitik mittel- und längerfristige Ziele setzen, um die Stadt nach vorne zu bringen. Wer sich keine Ziele setzt, landet im nirgendwo. Nicht anders waren meine 50 Träume zu verstehen, die ja auch heute noch auf der Internetseite der Dürener CDU nachzulesen sind.

Wie viele ihrer Träume konnten denn bis heute umgesetzt werden?

Eßer: Die meisten der so genannten Träume haben sich meines Erachtens erfüllt. Dazu zählen die vielfältigen Wohnungsbauinitiativen in den Stadtteilen und der Innenstadt, das große Sanierungsprogramm für die Schulen, der Neubau der Bürgewaldschule, die bedarfsgerechte Einrichtung von Ganztagesplätzen in den Grundschulen, das hervorragend angenommene Parkhaus Schützenstraße, das florierende Stadtcenter, die teilweise Sanierung der Innenstadt, der jährliche Wettbewerb um die „Beste Fassade“ in der City, die Kinderbetreuung im Bürgerbüro, die Spielpunkte auf dem Markt, die vielen anziehenden Märkte, die attraktive Außengastronomie, die Entwicklung des ehemaligen Peill- und Putzler-Geländes zu einem Gewerbe-, Handwerk- und Technologiepark und die erfolgreiche Vermarktung der Automeile. Das Wichtigste: Die Menschen in Düren leben friedlich zusammen. All dies ist nur gelungen, weil sich viele Bürgerinnen und Bürger engagiert haben, weil meine CDU-Fraktion tatkräftig gearbeitet hat und das Zusammenspiel mit Bürgermeister Paul Larue wirklich gut funktioniert.

Welche ihrer Träume stehen in diesem Jahr noch vor der Verwirklichung?

Eßer: Natürlich die Errichtung des Hotels und damit die Wiedereröffnung der Stadthalle, der Anbau des Leopold-Hoesch-Museums, das Fahrradparkhaus am Bahnhof, die Schließung der hässlichen Baulücken vor und hinter dem Kreishaus C, der Neubau der zweiten Sonderschule am Cornetzhof, ein einladender Eingang für den eher versteckt liegenden Holzbendenpark. Ich hoffe vor allem aber, dass endlich mit dem Bau der Dürener Ostumgehung begonnen wird, wenn im Herbst das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist. Dann hätten endlich jahrzehntelange Bemühungen zum Erfolg geführt.

Es gibt aber doch auch Träume, die sich bisher nicht erfüllt haben.

Eßer: Ja, das stimmt. An erster Stelle würde ich die Neugestaltung des Bahnhofs und des Bahnhofsumfeldes nennen. Dabei ist die Stadt auf die Deutsche Bahn AG als Grundstückseigentümer angewiesen. Zwar gibt es mittlerweile im Bahnhof einen gut sortierten Zeitschriftenhandel und auch ein Bistro, aber die Erwartung, dass das Bahnhofsumfeld seitens der Bahn entschlossen angepackt würde, hat sich nicht erfüllt. Auch stehen wir noch vor der Festlegung und Umsetzung eines Kultur- und Gastronomiekonzeptes für Schloss Burgau. Und ein Drittes: Es ärgert mich, dass es bisher nicht gelungen ist, in der Innenstadt ein kleines Wohnzimmer-Theater in der ehemaligen Druckerei Hamel zu realisieren. Oft fehlt es nicht an guten Ideen, sondern schlichtweg am Geld. Aber alle drei Punkte bleiben auf der Tagesordnung.

Beabsichtigen Sie denn, im Jahre 2010 ihre „Träume“ fortzusetzen?

Eßer: Sicherlich nicht in der bisherigen Form. Ich habe aber seit Herbst 2007 eine Vielzahl von Gesprächsrunden mit Bürgern aus den unterschiedlichsten Bereichen geführt, mit Zugezogenen, mit jungen Menschen, Geschäftsführern und Wirtschaftsexperten, Architekten, Fachleuten aus dem Pflegebereich, engagierten Frauen und türkischen Mitbürgern. Unter dem Leitgedanken „Düren 2020 – die Stadt, in der wir leben wollen!“ haben wir Stärken und Schwächen der Stadt herausgearbeitet, und auch über Düren im Jahre 2020 nachgedacht. Diese Gesprächsrunden will ich in diesem Jahr – unabhängig von der Kommunalwahl - fortsetzen, um dann die gemeinsam entwickelten Überlegungen für die weitere Stadtentwicklung in die politische Diskussion einzubringen.

Was haben sie denn in den bisherigen Gesprächsrunden herausgefunden?

Eßer: Die Antworten der Gesprächsteilnehmer sind oft erstaunlich überschneidend: Der Wirtschaftsprofi empfindet ganz ähnlich wie die Mutter von zwei Kindern, der Galerist sieht seine Stadt ähnlich liebevoll-kritisch wie die engagierte Türkin. Was die Menschen an unserer Stadt lieben, ist vor allem ihre Überschaubarkeit, ihre Nähe zur Eifel, ihre zentrale Lage in der Region. Die meisten Befragten empfinden Düren als eine Familienstadt mit einer herzlichen Mentalität, geeigneten Wohnangeboten, einer guten schulischen und sportlichen Infrastruktur, einem sehr regen Vereinsleben und einem immer besser werdenden Freizeitangebot. Viele der Befragten sagen, dass man in Düren alt werden kann, dass die Stadt behindertengerecht ist. Es wurde immer wieder die Einzelhandelsstruktur hervorgehoben, die so in anderen Städten ähnlicher Größe nicht mehr zu finden ist. Lieblingskinder der Dürener sind der Wochenmarkt und die Annakirmes. Das sind einige der Stärken, die immer wieder genannt wurden.

Und was kritisieren die meisten?

Eßer: Vor allem die Zugezogenen, die sich sehr wohl in Düren fühlen, kritisierten das fehlende Selbstbewusstsein unserer Stadt. Düren könne sich mit seiner wunderschönen Natur, seinen besonderen Orten, z.B. der Rur und ihrer unberührten Rurlandschaft, mit Schloss Burgau und auch mit seiner 50er-Jahre-Architektur sehen lassen. Wir sollten unsere städtischen Leuchttürme, also die Dürener Highlights, besser vermarkten. Die Menschen aus der Euregio oder dem Kölner Raum stärker nach Düren zu locken, sei eine lohnenswerte Aufgabe. Außerdem sollte noch mehr die Eigenwilligkeit der Nachkriegsbebauung betont, architektonisch mehr Premium-Akzente gesetzt werden. An Nicht-Markttagen fehlt den Menschen das Bunte in der Stadt. Mehr Grün wurde immer wieder eingefordert. Noch mehr in das Stadtleben integriert werden sollten die Bedürfnisse von Kindern und ihren berufstätigen Eltern, auch wenn diesbezüglich schon viel getan wurde. Wert legten die Teilnehmer auch auf eine Stärkung von Handel, Handwerk und Industrie, damit diese als Arbeitgeber den Jugendlichen eine berufliche Perspektive geben könnten, um nur einige wenige Beispiel zu nennen. Düren als familiäre Stadt für jung und alt zu positionieren ist in der Tat eine lohnenswerte Zukunftsaufgabe für das nächste Jahrzehnt.