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Interview in den Dürener Nachrichten vom 20. September 2008

 24.09.2008

„So viel Qualität wie möglich“

CDU-Fraktions-Chef Karl-Albert Eßer über Düren als Stadt der Märkte – und Veranstaltungen. „Wir schaffen beliebte Kommunikationsorte.“
 

Düren. Tausende werden an diesem Wochenende wieder in Dürens City strömen, sofern das Wetter mitspielt. Das 30. Stadtfest lockt, es ist die letzte ganz große Freiluftveranstaltung des Jahres. Derlei Events, wie es neudeutsch heißt, kommen erfahrungsgemäß gut an in Düren. Über das Jahr verteilt finden zahlreiche Märkte statt, dazu Musik- und Kulturereignisse. Der Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion, Karl-Albert Eßer, hat 2002 den Begriff von Düren als Stadt der Märkte propagiert. Mit ihm sprach unser Redakteur Ingo Latotzki über eben diese Märkte: über Quantität und Qualität, Erfolgsrezepte, Konzepte, Besucherströme und Anwohnerprobleme.

Geranienmarkt, Trödelmarkt, Maimarkt, Biermarkt, Herbstmarkt, Kartoffelmarkt, Weihnachtsmarkt – werden Sie in diesem Jahr einen Markt auslassen?

Karl-Albert Eßer: Wenn ich in Düren bin, lasse ich keinen Markt aus. Ich treffe dann in der Regel viele Dürener, die das genauso handhaben wie ich. Es ist schon auffallend: Wenn in Düren ein Markt angeboten wird, ist die Stadt voll. Was zieht die Menschen an? Eßer: Die Lebensumstände haben sich verändert in den letzten Jahren. Während früher der Sonntag oft ein Tag war, an dem sich die Familie traf, schauen heute viele spätestens am frühen Nachmittag, was in der Stadt angeboten wird. Die Märkte sind aber auch aus sich heraus interessant, weil sie in der Region Angebote machen, die man sonst nicht findet. Dazu kommt: Sie haben eine soziale Funktion, sie sind beliebte Kommunikationsorte. Die Leute wissen, dass sie viele Bekannte treffen können. Da drückt sich eine Menge rheinischen Lebensgefühls aus.

Neben den Märkten gibt es noch andere Veranstaltungen: Annakirmes, Jazztage, das Beachvolleyball-Turnier vor dem Rathaus, diesen Sommer die EM-Tage und das 50-er Jahre-Fest, alle drei Jahre den Annamarkt. Sind die Dürener an sich feierfreudiger als andere?

Eßer: Das kann schon sein. Aber würde die Qualität nicht stimmen, kämen die Besucher nicht in dem Maße. Düren ist als Stadt der Märkte etabliert, der mittlerweile mit Leben gefüllte Begriff ist ein gutes Marketinginstrument für die Stadt. Ich denke da nicht zuletzt auch an den rund 680 Jahre alten Wochenmarkt, der weit über die Region hinaus bekannt und besucht ist.

Trotzdem halten nicht alle Märkte, was sie versprechen, etwa der Kartoffelmarkt. Da werden Reibekuchen verkauft und irgendwo liegt ein Sack Kartoffeln auf dem Boden. Reicht das?

Eßer: Über die Präsentation des Kartoffelmarktes im letzten Jahr habe ich mich ziemlich geärgert. Das entsprach nicht meinen Qualitätsansprüchen. Die Kritik ist aber bei der Stadt und dem Förderverein des Wochenmarktes auf offene Ohren gestoßen. Ich gehe davon aus, dass es in Zukunft ein vielfältigeres Programm gibt, auch mit Rahmenangeboten, für Kinder beispielsweise.

Gibt es andere Märkte, die verbessert werden sollten?

Eßer: Ich bin dafür, dass wir nach jedem Markt eine kritische Bestandsaufnahme machen. Wie war die Qualität, wie ist die Veranstaltung angenommen worden? Wir müssen den Anspruch haben, so viel Qualität wie möglich zu bieten.

Auch in diesem Jahr gibt es wieder die Großveranstaltung „Düren leuchtet“. Bei der Premiere vergangenes Jahr gab es nicht nur Lob.

Eßer: Die Resonanz der Besucher war grandios. Aber es leuchtete zu wenig, es hätten mehr Gebäude stärker angestrahlt sein müssen. Das sollte in diesem Jahr anders werden. Vielleicht hilft eine engere Abstimmung zwischen den großen Warenhäusern, die „Düren leuchtet“ federführend veranstalten, und der Cityma.

Bisweilen wurde in diesem Jahr auch die Annakirmes kritisiert, weil es zu wenig wirklich erstklassige Fahrgeschäfte gegeben haben soll. Teilen Sie die Kritik?

Eßer: Es wird immer schwerer, herausragende Fahrgeschäfte für die Annakirmes zu finden. Das liegt auch daran, dass andere Groß-Veranstaltungen parallel stattfinden. Man sollte der Kritik nachgehen und 2009 noch einmal einen Anlauf unternehmen, ein Highlight nach Düren zu holen. Die Annakirmes hat ja auch den Anspruch, weit über Düren hinaus zu strahlen und imagebildend zu sein. Aber auch für die Annakirmes gilt: sie ist und bleibt ein beliebter Treff, ein Ort der Kommunikation.

Sind weitere Events in Düren geplant?

Eßer: Ich würde sagen, der Jahresterminkalender ist weitgehend ausgereizt. Da mag vielleicht noch mal die eine oder andere Idee entstehen. Ich habe ja schon häufiger mal über einen Schlemmermarkt nachgedacht, aber auch der müsste hohen Qualitätsansprüchen genügen. Spruchreif ist noch gar nichts.

Dieses Wochenende steigt das 30. Stadtfest. Ist es mittlerweile ein Selbstläufer?

Eßer: Natürlich ist das Stadtfest – wenn es nicht regnet – ein Selbstläufer. Aber auch hier gilt: Am Ende muss geprüft werden, ob die Konzeption noch stimmt. Die Verantwortung liegt in allererster Linie bei der IG City, die das seit 30 Jahren sehr gut macht. Das beweisen auch Entwicklungen der letzten Jahre. Das Feuerwerk zum Abschluss ist eine hervorragende Sache, und ich persönlich fände es schön, wenn alle Dürener Chöre wieder einmal zusammen auftreten würden.

Angesichts der ganzen Märkte: Gibt es viel Protest von Anwohnern, die sich belästigt fühlen?

Eßer: Natürlich gibt es Proteste, für die wir auch Verständnis haben müssen. Es muss immer darauf geachtet werden, dass die Schlusszeiten eingehalten werden. Wir sind ja froh, dass Menschen in der Innenstadt wohnen. Deshalb sind wir darauf bedacht, einen Ausgleich der Interessen hinzubekommen.


Interview in den Dürener Nachrichten vom 20. September 2008